Falsche Gerüchte ums Schulfach Wirtschaft aus der Welt schaffen!

Wir wollen die ökonomische Bildung stärken und unsere Kinder zu mündigen Verbraucher:innen und Konsument:innen ausbilden. Daher haben wir im Bildungsland NRW das Schulfach Wirtschaft eingeführt. Zuletzt zeigte eine Studie der Allianz, wie dringend nötig die Kompetenzen gerade auch für die Altersvorsorge sind und wie wichtig und lange überfällig diese Entscheidung war. 📚

Aktuell macht jedoch die SPD-Landtagsfraktion auf dem Rücken der Lehramtsstudierenden gegen die Neueinführung Stimmung. Es sei angeblich geplant, die Kinder zu Kapitalisten zu erziehen, dass SoWi-Lehrkräfte künftig überflüssig seien und die Einführung zu Lasten der politischen Bildung ginge. Das Gegenteil ist der Fall! 😡 Sogar die GEW NRW hat die Klarstellungen des Schulministeriums ausdrücklich gelobt.

Wirtschaftliche Grundkenntnisse sind unerlässlich, um als Verbraucher:in richtige Entscheidungen zu treffen. Ziel des Schulfachs Wirtschaft ist es, die Schüler:innen mit dem nötigen Know-How auszustatten, um die politischen, sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse unserer Gesellschaft verantwortungsbewusst mitzugestalten. Natürlich kürzen wir dabei auf keinen Fall an der so wichtigen politischen Bildung! Sowas zu behaupten, ist das Letzte!! 😤

Auch das Argument, SoWi-Lehrkräfte würden in Zukunft nicht mehr gebraucht, ist haltlos. Bereits ausgebildete Lehrkräfte haben die nötigen Fähigkeiten, um das neue Schulfach fachgerecht zu unterrichten. Besonders ärgert mich, dass durch solche falschen Behauptungen Ängste und Sorgen bei vielen Lehramtsstudierenden geschürt werden. Ja, wir nehmen eine Neuprofilierung in der Lehrkräfteausbildung vor und bieten Erweiterungsstudiengänge an. Falsch ist aber die Behauptung, dies hätte bei bereits begonnenen Studiengängen Einfluss auf den Eintritt in den Schuldienst. Die in den nächsten Jahren noch zu erwerbenden Abschlüsse behalten natürlich ihre Gültigkeit. Es gibt auch keine Verpflichtung zu 1-jährigen Zertifikatskursen oder anderen Fortbildungen. Wer trotzdem an Fortbildungen teilnehmen will, wird aber auch davon nicht abgehalten. Wer die Lehrbefähigung zum Beispiel für SoWi hat, hat die Voraussetzung, auch Wirtschaft-Politik zu unterrichten. 👍

Am 23. Januar 2021 habe ich ein umfangreiches Q&A auf meinem Instagram-Account @mue_re gemacht. Das könnt Ihr Euch in den Story-Highlights noch einmal ansehen.
Hier fasse ich aber auch zusammen, welche Fragen mir gestellt wurden, und natürlich auch die dazugehörigen Antworten:

Wieso wird SoWi abgeschafft?
SoWi wird nicht abgeschafft!
Zum Schuljahr 2019/20 (G9 Gymnasium) beziehungsweise 2020/21 (übrige Bildungsgänge) haben wir die Kernlehrpläne der Fächergruppen Politik-Wirtschaft in der Sekundarstufe I geändert und die ökonomische und Verbraucherbildung gestärkt. Das Fach wurde in dem Zuge in Wirtschaft-Politik umbenannt.
Die aktuell vorgesehene Änderung folgt aus dieser Änderung der Kernlehrpläne: Wir nehmen jetzt eine Neuprofilierung des Studiengangs „Sozialwissenschaften“ als Lehramtsfach „Wirtschaft-Politik“ vor, weil ein Studiengang immer auch auf die jeweiligen Schulformen, Jahrgangsstufen und schulischen Inhalte ausgerichtet sein muss. Damit stellen wir sicher, dass künftige Lehrkräfte entsprechend den schulischen Anforderungen ausgebildet werden.
Die dazugehörige Petition „#sowibleibt“ ist in meinen Augen überflüssig, weil SoWi nicht abgeschafft wird – weder als Schulfach, noch als Studiengang mit den entsprechenden Lehrinhalten.

Kann ich mein angefangenes SoWi-Studium beenden?
Ja. Der Studiengang wird nicht abrupt beendet, sondern läuft über einen langen Zeitraum aus, um den Studierenden ausreichend Zeit zu geben, ihr Studium abzuschließen. Es ist keine Änderung der Regelstudienzeit geplant. Inwieweit eine Hochschule ggfs. Studieninhalte oder Module im bestehenden Studiengang SoWi anpasst, gehört zur Freiheit der Hochschulen. Die SoWi-Studierenden erlangen auch die Lehrbefähigung für das neue Fach Wirtschaft-Politik.

Was hat es mit den sogenannten Erweiterungsstudiengängen auf sich?
Die NRW-Hochschulen können sogenannte Erweiterungsstudiengänge einrichten, mit denen bereits voll ausgebildete Lehrkräfte (aber auch besonders interessierte Studierende im Erststudium) freiwillig einen zusätzlichen Abschluss im Bereich „Wirtschaft“ erwerben können. Zwei Universitäten in NRW haben sich bereits aus eigener Initiative auf den Weg gemacht, solche Studiengänge anzubieten: Siegen und Paderborn.
Die Teilnahme an einem Erweiterungsstudiengang ist ausdrücklich keine notwendige Voraussetzung für den Erhalt der Lehrbefähigung im Fach Wirtschaft-Politik!

Müssen SoWi-Studierende einen zusätzlichen einjährigen Zertifikatskurs belegen, wenn Sie das neue Fach Wirtschaft-Politik unterrichten wollen?
Nein. Die SoWi-Studierenden bringen die notwendigen Qualifikationen mit und müssen keinen Zertifikatskurs belegen, um die Lehrbefähigung für Wirtschaft-Politik zu erhalten. Die Aussagen, SoWi-Absolventen dürften künftig nur „vertretungsweise“ oder „fachfremd“ Wirtschaft-Politik unterrichten, sind falsch!

Gibt es Unterschiede für Lehramtsstudierende in Sozialwissenschaften im Bachelor, Master oder Vorbereitungsdienst?
Nein. Alle Studierenden und Lehramtsanwärterinnen und -anwärter können ihr Studium beziehungsweise ihren Vorbereitungsdienst wie geplant fortsetzen und beenden und erhalten die Lehrbefähigung für Wirtschaft-Politik ohne zusätzlichen Zertifikatskurs.

Werden künftige Lehrkräfte, die noch SoWi statt Wirtschaft-Politik studiert haben, überhaupt noch verbeamtet?
Für eine mögliche Verbeamtung ist es unerheblich, ob SoWi oder Wirtschaft-Politik studiert wurde, weil die Lehrbefähigung für Wirtschaft-Politik in beiden Fällen nach dem erfolgreichen Abschluss des Vorbereitungsdienstes erteilt wird.

Wird Lehrkräften, die aktuell SoWi unterrichten, die Lehrbefähigung aberkannt?
Nein, das wäre Quatsch! Die SoWi-Lehrkräfte verfügen über die notwendigen Qualifikationen und haben auch die Lehrbefähigung für das Fach Wirtschaft-Politik.

Wenn andere Lehrkräfte mit einem einjährigen Zertifikatskurs die Lehrbefähigung für das Fach Wirtschaft-Politik erlangen können, ist dann ein SoWi-Studium nicht wertlos?
Nein, absolut nicht. Die Bezirksregierung Köln schreibt zu den Zertifikatskursen:
Durch Qualifikationserweiterungen sollen Engpässe in der Unterrichtsversorgung ausgeglichen werden, indem sich Lehrkräfte berufsbegleitend für ein weiteres Fach / eine weitere Fachrichtung ihres Lehramtes qualifizieren.
Zertifikatskurse sind ein wichtiges Instrument, um fachfremdem Unterricht vorzubeugen und bei Lehrkräftemangel (zum Beispiel im ländlichen Raum oder in Mangelfächern) engagierten Lehrkräften eine berufsbegleitende Möglichkeit zu geben, die Lehrbefähigung für ein weiteres Fach zu erhalten.
Grundständig ausgebildete Lehrkräfte sind – unabhängig davon, ob sie SoWi oder später das neue Fach Wirtschaft-Politik studiert haben – unverzichtbar für eine qualitativ hochwertige Unterrichtsversorgung im Fach Wirtschaft-Politik.
Zertifikatskurse sind übrigens auch keine „SoWi-Spezialität“, sondern werden in sehr vielen Fächern angeboten. Aktuell sind sie zum Beispiel besonders wichtig zur Bekämpfung des Lehrkräftemangels in MINT-Fächern.

Fallen Soziologie oder demokratische Bildung im Lehrplan Wirtschaft-Politik weg?
Nein. Das ist ein Gerücht, das von der SPD-Landtagsfraktion mutwillig in die Welt gesetzt wurde, um politische Geländegewinne zu erreichen.
Bei der Überarbeitung der Kernlehrpläne im Jahr 2018 haben wir den Umfang der politischen und demokratischen Bildung selbstverständlich beibehalten. Wir halten die politische Bildung in Zeiten aufkommender rechtspopulistischer Tendenzen in Europa und der Welt für ein hochwichtiges Element in der Bildung aller Schülerinnen und Schüler.
Um die Wirtschafts- und Verbraucherkompetenz unserer Schülerinnen und Schüler zu stärken, haben wir diesen Bereich in den Kernlehrplänen der Fächergruppe gestärkt. Da wir den Stundenumfang des Fachs nicht erweitert haben, haben wir zugunsten der Wirtschafts- und Verbraucherkompetenzen Soziologie nicht gestrichen, aber innerhalb der soziologischen Teile des Kernlehrplans Kürzungen vorgenommen. Dies halten wir auch weiterhin für angemessen.

Was ist die Begründung für die Stärkung der Wirtschafts- und Verbraucherbildung in den Kernlehrplänen?
„Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann ‘ne Gedichtsanalyse schreiben. In 4 Sprachen.“ Dieser Tweet einer Schülerin aus dem Jahr 2015 bringt es auf den Punkt: Neben Eltern und Ausbildungsbetrieben wünschen sich eben auch Schülerinnen und Schüler, in der Schule grundlegende ökonomische Kenntnisse zu erlangen. Daher haben sich CDU und FDP in ihrem Koalitionsvertrag darauf geeinigt, Wirtschafts- und Verbraucherkompetenz in den Kernlehrplänen aller Schulformen für die Sekundarstufe I stärker zu verankern.
Wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse dazu haben wir auch unter anderem aus einem erfolgreich durchgeführten Schulversuch erhalten, der leider von der rot-grünen Landesregierung 2014 aus ideologischen Gründen nicht fortgesetzt wurde (Abschlussbericht hier).
Ziel der NRW-Koalition ist es, dass nach der Klasse 10 jede Schülerin und jeder Schüler sein oder ihr Leben selbst in die Hand nehmen kann und die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten dafür in der Schule bekommen hat. Dazu zählt ausdrücklich auch Verbraucherbildung.

Warum wurde das Schulfach umbenannt?
Die Stärkung der Wirtschafts- und Verbraucherbildung in den Kernlehrplänen sollte sich unserer Meinung nach auch in der Bezeichnung der jeweiligen Fächer widerspiegeln.

Wo kann ich die Kernlehrpläne einsehen?
Die Kernlehrpläne aller Schulfächer in NRW sind öffentlich einsehbar im sogenannten Lehrplannavigator der QUA-LiS-NRW.

Welche Änderung in den Lehrplänen ist für das Fach Sozialwissenschaften in der Sekundarstufe II geplant?
Aktuell keine.

Wird Soziologie komplett aus dem neu profilierten Studiengang Wirtschaft-Politik gestrichen?
Nein, das ist im Entwurf der Änderung der Lehramtszugangsverordnung ausdrücklich nicht vorgesehen! Hier ein Zitat aus dem Begründungsteil:
Durch die […] vorgesehene Neuprofilierung des Faches „Sozialwissenschaften (Politikwissenschaft, Soziologie Wirtschaftswissenschaft)“ als „Wirtschaft-Politik“ erhält die Ausbildung ein in diesem Sinne akzentuiertes Profil, mit der Folge, dass der Studiengang Sozialwissenschaften (Politikwissenschaft, Soziologie, Wirtschaftswissenschaft) inhaltlich angepasst werden muss. Dies bedeutet allerdings nicht, dass der bisherige Studienumfang in den Bereichen Wirtschaftswissenschaft und Politikwissenschaft lediglich erhöht und die bisherige Anteilsdisziplin Soziologie ausgeklammert wird. Erforderlich ist vielmehr eine inhaltlich neu profilierte Studiengangsgestaltung, in der auch Elemente der Soziologie enthalten sind. Denn die lebensweltlichen Bereiche Wirtschaft und Politik sind in ihren gesellschaftlichen Zusammenhängen wissenschaftlich nicht ohne soziologische Elemente zu erschließen. Auf ein entsprechend fachlich austariertes Curriculum wird im Rahmen der Akkreditierung der wesentlich geänderten Studiengänge zu achten sein.“

Gibt es zu all dem auch eine offizielle Stellungnahme des NRW-Schulministeriums?
Ja, die finden Sie hier.