Endlich Impfangebot für 12-15jährige

Gestern haben die Gesundheitsminister:innen grünes Licht gegeben für eine Impfung ALLER Kinder und Jugendlichen ab 12 Jahren!

Seit Wochen sagt die Ständige Impfkommission (STIKO), ihnen lägen angeblich noch nicht genug Daten vor, um eine Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche ohne Vorerkrankungen auszusprechen. Mich ärgert das, denn über 6 Mio. Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 15 Jahren wurden allein in den USA schon geimpft. Unsere Nachbarländer Niederlande, Belgien, Luxemburg, Frankreich, Schweiz, Österreich, Polen und Dänemark impfen sie auch längst, ihnen reichen die Daten aus. Liegen die anderen Länder alle falsch? Zu dieser Frage schweigt sich die STIKO aus.

Es geht hier nicht um die Entscheidung darüber, ob zB eine HPV-Impfung mit weniger Nebenwirkungen 2 oder 3 Wochen früher auf den Markt kommt. Ich verstehe, wenn so etwas warten kann. Es geht aber um Covid-19, die Impfung ist der schnellste und wahrscheinlich einzige Weg, um diese Ausnahmesituation mit allen gesellschaftlichen Folgen zu beenden. Notfallzulassungen von Impfstoffen sind richtig und notwendig, die EMA ist hier vorbildlich unterwegs. Wenn aber gleichzeitig wichtige Empfehlungen der STIKO scheinbar grundlos auf sich warten lassen, ist das eine frustrierende Ausbremsung. Wir verlieren Zeit.

Es ist nicht wissenschaftsfeindlich, wenn die Gesundheitsminister:innen nicht daneben stehen und tatenlos zusehen, sondern Verantwortung übernehmen und handeln. Auch eine STIKO ist nicht unfehlbar, eine Kritik an ihr ist keine Gotteslästerung. Sie ist aktuell schlicht zu langsam unterwegs.

Ich freue mich jetzt sehr für alle ab 12 Jahren, die sich jetzt impfen lassen. Es ist eine sehr gute Entscheidung zum eigenen Schutz und dem der Mitmenschen. Und wer will, kriegt in diesen Tagen sogar zum Pieks eine Bratwurst oder ein Eis dazu.

Mögliche Auswirkungen der Delta-Variante

In den letzten Tagen haben wir im Landtag über die möglichen Auswirkungen der Delta-Variante auf das gesellschaftliche Leben, aber auch den Schulbetrieb in NRW diskutiert. Aus den aktuellen Fallzahlen im Vereinigten Königreich, die bereits einen hohen Anteil der Delta-Variante zu verzeichnen haben, können wir einige Rückschlüsse für uns ziehen.

Die Zahlen dort zeigen, dass durch die Delta-Variante die Neuinfektionen zwar wieder deutlich ansteigen, jedoch zum Glück die Zahl der schweren Verläufe und Todeszahlen auf einem niedrigen Niveau bleibt. Das ist der Impfung zu verdanken. Denn wir müssen uns vor Augen halten: Eine Impfung schützt nicht immer vor der Ansteckung mit Corona – aber sie schützt zuverlässig vor schweren Verläufen.

Übrigens verzeichnet das Vereinigte Königreich auch zum Glück keine steigenden Zahlen schwerer Verläufe bei Kindern und Jugendlichen! Sigrid Beer von den Grünen kennt offenbar die Daten nicht und hatte diese Woche das Gegenteil behauptet. Sowas ärgert mich wirklich! Die Daten sind übrigens für alle frei zugänglich, also schaut selber gerne rein.

Für mich bedeutet das: Wir müssen endlich weg von einer reinen Betrachtung der Infektionszahlen und stattdessen weitere Faktoren, wie die Krankenhausauslastung, die Anzahl an schweren Verläufen, aber auch die Impfquote miteinbeziehen. Unser Ziel kann es nicht sein, jede einzelne Infektion auszuschließen. Stattdessen müssen wir eine Überlastung der Krankenhäuser verhindern. Insbesondere können wir die Schulen und Kitas nicht wieder schließen, wenn die Menschen wegen der guten Impfquote kaum noch schwer erkranken.

Daher mein Learning aus dem Vereinigten Königreich und meine Forderungen für NRW an die Ständige Impfkommission und den Bundesgesundheitsminister:
▶️ Impfungen ab 12 Jahren und für Schwangere empfehlen – die Europäische Behörde EMA hat das längst gemacht
▶️ Impfaktion für alle Studierenden an allen Hochschulen organisieren – fordert meine Kollegin Daniela Beihl
▶️ Impfbooster im Winter für alle planen
▶️ JETZT den Impfstoff für all das bestellen.